Christoph Hinterhuber

,full @ Ve.Sch'

08. - 21.10.2010

,big & full’ – eine zweiteilige Simultanausstellung

in Kooperation mit
,big @ Kunstraum Bernsteiner’, Wien
15. 10. – 12. 11. 2010

«friendsart




im Rahmen der Ausstellung:

« DjSet: Boris Kopeinig, (14.10.) – ,Underground Dance Loops’
«Christina Goestl, (21.10.) – ,All Sexes Welcome’, Performance, 20 min





exhibitionview ,full @ Ve.Sch’





1.) exhbitionview, 2.) ,Das obszöne Werk (edit)’ 2010, Wandmalerei, Acryl, variosize; 3.) view: ,thfcksdfmdrntystr’, 2010, Dyptichon, Acryl & Gesso auf Leinwand, je 100 x 100 cm; 4.) ,thfcksdfmdrntytxt’, 2010, Acryl auf Leinwand, 100 x 100 cm.
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big & full
Christoph Hinterhuber zeigt in Wien bei Ve.Sch und im Kunstraum Bernsteiner die zweiteilige Simultanausstellung „big & full“.
Die künstlerische Produktion des in Innsbruck lebenden Künstlers Christoph Hinterhuber (*1969) lässt sich nicht leicht einordnen.
Sein Markenzeichen sind die obsessive Verwendung der Komplementärfarben Pink und Grün sowie von Schwarz und Weiß. Seine formalen Bezugspunkte bewegen sich entlang der Schnittstellen eines Neoplastizismus, der Op Art und Neo Geo bis hin zum Aktionismus und Dadaismus. Die Bezugnahme auf diese Avantgardebewegungen der Kunst im 20. Jahrhunderts ist jedoch kein formaler Selbstzweck. Sie dient primär der Erforschung und Repräsentation eines potenziellen avantgardistischen Erbes der (historischen) Moderne, deren Fortschrittsstreben sich aufgelöst hat und in einen Moment permanenter Revolutionsgegenwart übergegangen ist.
Christoph Hinterhuber beschränkt sich aber nicht auf Hinterfragung und Kommentierung. Durch die Verbindung mit zeitgenössischen avantgardistischen Formen und Bewegungen, die vor allem in subkulturellen Musikmilieus verankert sind, arbeitet er vielmehr an einer Reformulierung des gesellschaftlichen Potenzials der Avantgarde als Imperativ heutiger Lebensweise.
Christoph Hinterhubers Kunst kann als eine neokonzeptuelle Semantik temporärer autonomer Zonen im Sinne Hakim Beys aufgefasst werden – als ein Übersetzungsvorgang verunklärter, virtueller Erinnerungen in die Medien Malerei, Installation, Computeranimation, Sprach- und Techno-Sound. Sie kann aber auch als die Manifestation des Strebens nach einem hohen gesellschaftlichen Entropiezustand begriffen werden, als die ekstatische Zelebration eines halluzinativen Techno-Utopia, eines ménage à trois von Kunst, Kapitalismus und Konstruktivismus. „big & full“ nimmt als übergeordnete Referenz George Batailles erotische Schriften, die im deutschsprachigen Raum unter dem Titel „Das obszöne Werk“ erstmals 1972 als Taschenbuch bei Rowohlt erschien.
Von Susan Sontag zwar als „Kammermusik der pornografischen Literatur“ apostrophierten Erzählungen, wurde dieses Werk von Roland Barthes, Michel Foucault und anderen jedoch keineswegs innerhalb dieses Genres gesehen. „Die erotische Erfahrung ist für ihn [Bataille] eine zweifache: die des Tabus und die seiner Überschreitung; erst die Überschreitung, die das Tabu zur Voraussetzung hat, ermöglicht den Personen Batailles […] auch die Transzendierung des Ich. Die Ekstase, das buchstäbliche Außer-Sich-Sein, das die Mystik in religiöser Versenkung fand, suchen sie im körperlichen Exzess und in körperlicher Entäußerung.
Auf allen Ebenen übrigens: kopulierend und defäkierend scheiden sie in geradezu mythischem Umfang aus, ent-äußern sich bis zur Selbstauflösung.“ (auf dem Rückcover der 18. Auflage, Reinbek bei Hamburg, 2002.)
Bataille bildet mit seiner Theorie der Verschwendung, die in diesem Fall als erotische Erfahrung über den Körper formuliert wird, eine bemerkenswerte parallele zum Streben nach exzessiver Grenzüberschreitung, das unter anderem in den Manifesten des Futurismus und des DADA vorzufinden ist (wenn auch auf freilich jeweils anderer Art) und bei Hakim Bey innerhalb der temporären autonomen Zonen eine zeitgenössische Formulierung findet.
Im Ausstellungsteil „full“ bei Ve.Sch zeigt Christoph Hinterhuber eine Raumkonfiguration aus 12 Leinwänden. Im Kunstraum Bersteiner wird mit „big“ eine monumentale Wandarbeit in situ präsentiert. (Text: Andrei Siclodi)









Christoph Hinterhuber
geb 1969 Innsbruck; 1994–98 Akademie der Bildenden Künste Wien; 2000 Mitglied der Wiener Secession

Awards, Grants
2009 Österreichisches Staatsstipendium für Bildende Kunst; 2008 RLB-Kunstpreis; Hauptpreis (Catalogue); 2006 Förderpreis der Stadt Innsbruck für Grafik; 2000 Förderpreis des Landes Tirol für Zeitgenössische Kunst,
Förderstipendium der Tiroler Sparkasse; 1999 26.Österreichischer Grafikwettberwerb / Preis des Französischen Kulturinstituts (Catalogue)

Selected Solo Shows
2009 Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck (Catalogue); Ve.Sch – Raum und Form in der Bildenden Kunst Wien Selector: Alois Bernsteiner; 2008 Kunstraum Innsbruck self similar;
2007 goethe 2 Galerie Bozen flesh flashes (+ Peter Senoner, Catalogue); 2006 Kunsthalle Wien Project Wall social plasma; Zu Gast bei Rens Veltman Schwaz low code; 2004 goethe 2 Galerie Bozen www.nichts.org;
Galerie Thoman Innsbruckd dancefloor (+ Thomas Feuerstein); 2003 Bernsteiner Dependance Wien coming closer3; Nouvelle Galerie Grenoble www.build-cells.org; Galerie Thoman Innsbruck coming closer (Catalogue);
Frac des Pays de la Loire Nantes Nantes coming closer; 2002 Galleria Plastica Bologna innersphere; 2001 First Floor Gallery Melbourne worldwide (+ Wolfgang Thaler); Galerie Museum Arge Kunst Bozen
kapitalismus und flucht; Transart 01 Bozen kapitalismus und flucht; Sammlung Essl Klosterneuburg emerging artists; Nouvelle Galerie Grenoble (Catalogue); 2000 Temporary Services Chicago hardcore (+ viennese lounge);
G9 Oslo: www.vienneselounge.at (+ viennese lounge); Galerie Thoman Innsbruck (Catalogue); 1999 Förderstand Art Cologne Köln (+ Galerie Thoman, Catalogue); Christoph Hinterhuber bei Familie Bernsteiner Wien,
Kunstraum Projektraum Innsbruck sample minds (Catalogue); 1998 Galerie Hubert Winter Berlin orgon; Künstlerhaus Passagegalerie Wien; Semperdepot Wien joystick; 1997 Trabant Wien orgon; 1996 Trabant Wien;

Selected Group Shows, Performances
2009 Haus der Moderne Innsbruck Playground; Lanserhof Eppan Thunders of Epiphanias (Catalogue); Wap – Wohnen am Park Wien Kunst im Bau; The Forgotten Bar Berlin Best of Kunstraum Innsbruck 2004 -2009
2006 ehem. Kaufhaus Tyrol Innsbruck Ca. 1000 m2 Tiroler Kunst (Catalogue); 2004 Museion Bozen Flirts! (Catalogue); Künstlerpavillon Innsbruck tour retour (Catalogue); 2003 Galleria Civica Di Arte
Moderna Trento work art tv; Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck arttirol (Catalogue); 2002 Sammlung Falckenberg Hamburg Das absurde Bekannte (Catalogue); Kunstraum Innsbruck Plus Ultra (Catalogue)
Galerie im Taxispalais Innsbruck variable stücke (Catalogue)
Museum Moderner Kunst Wien audioroom™








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