Anna Barfuss

‚Staring is caring‘

11. - 26.10. 2012


Rahmenprogramm:
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    Anna Barfuss ‚Staring is caring‘
    Die Frau an der Bar, 2012, HD Video
    starring / mit Stella Reinhold

    (enlarge: click image)



      Paravent – Eisen, Sprühlack, Neopren, 2012
      ,Tiere der Nacht’, 2011, HD Video, 4‘30‘‘
      with Rita Rumble, Beatrix Curran, Maria Giovanna, Bonita Bub, Anna Barfuss
      wearing Helmut Lang, Rick Owens, Hussein Chalayan, Sonia Rykiel, Superated underneath their furs and feathers.
      Dank an Mathias Windelberg.





      Soiree (Die Salonièren) – ein Text Von Georg Petermichl

      Ein Gespräch zwischen 3 Katzen und 2 Vögeln. Wie wir herausfinden werden, herrscht weitgehende Eintracht zwischen ihnen in der finsteren Nacht. Noch sind sie aber etwas verstreut zwischen den Laternen, die von Bäumen umwachsen sind, und nur spärlich Licht liefern. Irgendwo rauscht Wasser. Die Blätter in den Bäumen rascheln. Stadtlärm von Fern. Die Tiere haben sich herausgeputzt. Unter einem Katzenfell leuchtet was von Helmut Lang hervor.
      Ebenso die Vögel: Classy, kosmopolitische Großstadttiere.

      Katze 2: Was?

      Katze 1: (zu sich): Staring is caring. (lauter) Staring is caring. Ist doch ein toller Ausstellungstitel.
      Ich mein. Ich starr da so allein vor mich hin, und merk’, dass ich zu allem hier herum eine Verbindung aufbauen kann.
      Aber die Dinge starren alle MICH an. So als ob sie was von mir wollen. Ich hab aber gar nix für die.

      Katze 2: Das hat was mit … Blickregimes zu tun…

      Katze 1: Geh. Mit diesen Vögeln wird’s eh noch super theoretisch.
      Was ich mein: Alles was ich seh, hat mich vorher schon bemerkt. Das geht 10 Minuten gut. Und dann fühl ich mich overdressed.
      Ich bin halt auch immer die erste, die da ist.

      Katze 2: Ja. Aber tschuldige, das hat was mit Blickregimes… So konstruiert man sich nämlich…

      Katze 1: Wo sind denn die alle?

      Katze 2: Oder was mit Selbstwahrnehmung… ?
      Aber gut, andererseits mag ich jetzt auch nicht in einer Kultur leben, die nicht visuell geprägt ist.
      Das mit den Blicken ist schon unangenehm genug. Ausgehen. Da stehen die Typen an der Bar rum, mit Bier in der Hand und tun so auf Buddytalk. Stundenlang. Schauen sich gegenseitig kaum an, aber dafür fixieren sie dich. Wenn man hinschaut, weiß man gar nicht, was man mit der Situation machen soll:
      So richtig geht es nicht um dich, aber fixiert bist du trotzdem… da kommst du drauf, die Blicke haben gar nix mit dir zu tun.
      (Blickt sich um.)
      Na super. Du hörst mir gar nicht zu. Wo bist du überhaupt.
      (Vogel 1 tritt von hinter einem Baum hervor.)

      Vogel 1: Mit wem redest du, eigentlich?

      Katze 2: Hallo! Na, egal… (leise, fast unverständlich) Jetzt ist sie grad weg gegangen, die …
      (lauter) Worum geht’s heut? Um Mode als Hülle. So Schamfunktion. Schutzfunktion.
      Schmuckfunkt…
      Wo kommst du denn gerade her, ich dachte du wärst mit…

      Vogel 1: Ja. Super spannend! Find ich.

      Katze 2: Na ist halt super ärgerlich, dass die Typen immer so rumstarren. Die potentiellen.
      (Vogel 1 ist milde verwirrt.)
      Und dann passiert nie was. Musst nur dich einmal in einen Mini-Jumpsuit schmeißen und du hast schon alle Blicke auf dir. Das ist zwar recht toll im Moment, aber auf lange Sicht unbefriedigend.

      Vogel 1: Fashion is the comparative of which fetishism is the superlative.

      Katze 2: … so reduziert auf die Oberfläche, das find ich echt problematisch…

      Vogel 1: Also, in der Öffentlichkeit halt. Im Privaten ist das ja was anderes. Aber Marshall McLuhan hat ja gesagt, dass Kleidung die Erweiterung der Haut ist. So Neopren, zum Beispiel – das hat der nicht gekannt.

      Katze 1: Bin wieder hier. Sorry. Sicher geht es auch um einen Blick auf sich selbst. Aber sorry: Es fühlt sich gut an, wenn man sich gut anzieht. Also da gibt’s einen Unterschied zwischen Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung: Ich will jetzt auch nicht bitchig rüberkommen…

      Katze 2: … aber eine Projektionsfläche bin ich echt nicht. Tschuldige, aber…

      Vogel 1: Wo war ich grad? Ah ja. Neopren. Da geht’s auch um die Körperwahrnehmung,
      Leute. So Wetsuit. So Kampftaucher. Ganz sexy, aber schützt auch.

      Katze 2: Ich hab eigentlich grad über Künstlichkeit geredet. Neopren, ist da ganz spannend…
      Aber ist halt so Posing, weil unecht.

      Katze 1: Also, irgendwie beängstigend. Weil wenn ich so in den Spiegel schau… Man muss echt immer voll aufpassen, dass man nicht zu trendy rüberkommt. Aber zu edgy will man auch nicht sein. Was die Blogger so alles ins Internet stellen…

      Vogel 2: Ich kenn da einen ganz guten Blog. (Katze 1 bleibt noch. Der Rest macht sich auf den Weg.)

      Vogel 1: Also, dass der McLuhan das so miteinander vermischt. Zuerst geht es um Wohnen und Kleidung als Wärmeregulation und gleich drauf meint er, dass Froschmänner und Bikinis helfen, die „Festung der Haut“ als „Raum und Welt für sich“ zu verstehen.
      Überhaupt: unzusammenhängend. Ich weiß nicht.

      Katze 2: Aber… Mode ist in einer Kultur der Oberfläche doch schon per se eine Kunst der Indirektheit.

      Vogel 1: Ihr Katzen seid’s eh belesen: Ist immer leicht und spielerisch. An der Oberfläche.
      Alles Allusion.

      Katze 2: Allusion… ?

      Vogel 1: Andeutung, mein Kätzchen.

      Katze 2 (genervt): Schon klar. Kennst Emily Apter?

      Vogel 1: Was?

      Katze 2: Nicht so wichtig. Aber wenn du mal wirklich was über Feminismus lesen willst…

      Vogel 1: So Constructing Gender?





      Installation Spiegel / HD Video, 6‘, 2012
      Dank an Beatrix Curran & Bernhard Staudinger.








      Anna Barfuss
      * 1980 in Wien
      Universität Wien, Philosophie und Kunstgeschichte (ohne Abschluss)
      2004 – 2012 Akademie der bildenden Künste Wien, Bildende Kunst bei Eva Schlegel, Matthias Hermann
      und Dorit Margreiter
      2012 Diplom Bildende Kunst
      2007 Listahaskolí, Reykjavik / IS

      Ausstellungen (Auswahl)
      2006 fff_Frauenfilmfest, Video screening, Linz
      2007 Kraftwerke, Akademie d. bild.Künste , Wien
      2007 Lost Horse Gallery, Reykjavik / IS
      2008 Nueva Austria: Work from Vienna, Plaines Projects, Des Plaines, Chicago / US
      2008 GruppeRE: Zum Ersten, vesch, Wien
      2009 Projekt Projektion, von Dorit Margreiter u. Matthias Michalka,
      Akademie der bild. Künste,Wien
      2009 Manchmal delta, Otto-Wagner Schleusenhaus am Donaukanal, Wien
      2010 Essential Charme / Kubatur des Kabinetts, kuratiert von Barbara Rüdiger, Helene Baur und
      Ursula Maria Probst, Fluc, Wien
      2010 Residence Palace, Schöbrunnerstraße, Wien
      2011 Die Fotografie in Referenz, kuratiert von Martin Vesely, Fotohof Salzburg
      2011 Wiener Glut. Neue Kunst aus Wien und Düsseldorf, kuratiert von Barbara Rüdiger, KIT, Düsseldorf / D
      2012 Tag- und Nachtbilder, Rupertinum Salzburg
      2012 Diplomausstellung Akademie der bildenend Künste Wien
      2012 Das Chic Boutique Café, kuratiert von Johanna Braun, Die Ausstellungsstraße, Wien

      Publikationen
      2008 Wahre Könige, fanzine
      2009 Aids. A reader. Buchprojekt
      2009 Projekt Projektion, Heft
      2010 flashartonline.com, Focus Austria
      2011 Wiener Glut. Neue Kunst aus Wien und Düsseldorf, KIT Düsseldorf

      Ausstellungsorganisation
      2009 Manchmal delta, Otto-Wagner Schleusenhaus am Donaukanal
      2012 Adrift, Ausstellungsprojekt im Chambre d‘amis zuammen mit Claudia Rohrauer und
      Katharina Kantner, Akademie der bildenen Künste Wien